Die Südtiroler Plattform wurde 1994 aus den Gesprächsgruppen für Alleinerziehende (Brixen und Meran), die vom Katholischen Familienverband geführt waren heraus gegründet, da man der Auffassung war, dass man als Verein mehr Gewicht in der Öffentlichkeit hat, um mehr zum Wohle der AE zu erreichen.
Der Name wurde von der Österreichischen Plattform für AE übernommen, da mit denen bereits ein loser Kontakt bestand. So wurde die Südtiroler Plattform ins Leben gerufen. Plattform, weil wir für alle Teil-Familien: d.h. ledige Mütter, verwitwete Männer u. Frauen, Getrennte, Geschiedene sowie Patchwork-Familien ein Sprachrohr und Ansprechpartner sein wollen. Es gab einen Geschäftsführer und der erste Vorstand wurde gewählt, die erste Präsidentin war Frau Barbara Malfertheiner aus Bozen. Es stellte sich aber bald heraus, dass die Plattform keinen Geschäftsführer brauchte, sondern nur eine motivierte Schreibkraft oder Koordinatorin.
Bereits nach einem Jahr, um die Umstrukturierung zu vollziehen trat der Vorstand zurück und es wurde ein neuer gewählt. Bei diesem wurde Frau Ennemoser Maria aus Dorf Tirol als Präsidentin gewählt, sie übte ihr Amt für 3 Jahre aus. Die Plattform fand auch eine gute Schreibkraft und Koordinatorin in Frau Gaby Hochweber, und sogar im Kolpinghaus Bozen eine Büroecke in Untermiete, wo wir bis 2001 blieben. Mit der Hochzeit der Koordinatorin 1997 kam die Plattform arg ins wanken. Man dachte sogar daran, sie wieder zu versenken. Trotzdem versuchte man noch mit einem Inserat eine neue Koordinatorin zu finden. Wie kann es anders sein, es gab eine, die wusste, was die Plattform braucht. Frau Gertrud Calenzani Gänsbacher brachte wieder neuen Schwung in den Verein und es entstanden auch gleich neue Gesprächsgruppen: Zu Meran und Brixen kamen Sarnthein, Sterzing und Völs dazu.
Mit den Neuwahlen 1998 wurde zuerst Frau Dalvai Sabine Präsidentin, der war die Verantwortung mit der finanziellen Haftung bei der Bank zu groß und sie trat bereits nach einem Monat zurück. Seitdem ist jetzt Ida Lanbacher die Präsidentin der Plattform für Alleinerziehende. Wir fanden in Frau Anni Plattner eine wunderbare Teilzeit-Sekretärin, die sich gemeinsam mit der Präsidentin von Gertrud in den Geschäftgebaren einarbeiten ließen und dann neuen Schwung und Ideen umzusetzen begannen. Frau Calenzani war uns in all den Jahren eine wertvolle Stütze, war sogar für 3 Jahre im Vorstand und unsere Delegierte von 1998-2003 im Landesbeirat für Chancengleichheit. Seit 2003 ist Lanbacher Ida als Ersatzvertreterin von Federspiel Maria (Hausfrauenverband) vertreten.
Seit September 2001 haben wir ein eigenes Büro in Bozen in der Poststraße Nr. 16 im 2. Stock, seitdem konnten wir unsere Angebote erweitern. Unsere Bürozeiten wurden vermehrt in Anspruch genommen. Wir begannen Rechtsberatung anzubieten, organisierten Vorträge monatlich im Büro, seit 2005 bieten wir auch Familien-Mediation an. Man könnte auch sagen, wir wurden gesehen, auch von der Öffentlichkeit wurden wir stärker wahrgenommen.
Wir haben aber auch politisch kleinere und größere Schritte zum Wohle der Ein-Eltern Familien geschafft, zusammen mit dem Beirat für Chancengleichheit: so wurde die Definition der Alleinerzieher geändert, die Unterhaltsvorschussstelle eingerichtet, u v. m.
Wir pflegten auch gute Kontakte über unsere Landesgrenzen hinaus. Die Plattform organisierte 2006 ein Grenzübergreifendes Treffen, wo Österreich (6), Deutschland (4) und die Schweiz (2)teilnahmen. Daraus wurde 2007 dann in Berlin das „ Europäisches Netzwerk f. Ein-Eltern-Familien“ ENoS gegründet, wo sich bereits 8 Staaten angeschlossen haben. Wir haben auch mit der italienischen Vereinigung „Genitori soli“ Kontakt aufgenommen.
Ein großes Ziel, das wir gerne erreichen würden:
In Südtirol gibt es laut ASTAT bereits über 26.000 Eineltern-Haushalte, in welchen Mütter oder Väter mit einem oder mehreren Kindern alleine leben. Die Einelternfamilien bilden zur Zeit ca. 14% aller Haushalte und die Tendenz ist steigend! Die Hauptschwierigkeiten dieser Alleinerziehenden sind finanzieller, rechtlicher und emotionaler Natur. Allein mit einem Kind zu leben, kann für viele nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Überlebenskampf sein.
Mehr als die Hälfte der allein erziehenden Frauen sind erwerbstätig, da sie aus ökonomischen Gründen dazu gezwungen sind. Der Lebensstandard bzw. Lebenserhaltungskosten sind in Südtirol im Vergleich zum restlichen Italien extrem hoch. Lohn- und Gehaltskosten hingegen sind eher konstant geblieben.
Alleinerziehende wenden ca. 75-90 Stunden pro Woche für Berufs-, Haus- und Familienarbeit auf und sind somit die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Arbeitsbelastung.
Gleichzeitig ist auch die Tendenz zum Armutsrisiko bei Alleinerziehenden und ihren Kindern nicht zu übersehen.
„Die Plattform für Alleinerziehende versucht, durch Öffentlichkeitsarbeit auf die Situation der Alleinerziehenden aufmerksam zu machen. Dies bezieht sich auf die finanzielle und rechtliche Absicherung der Betroffenen, aber auch auf mehr öffentliches Verständnis für ihre Situation“, erklärt Ida Lanbacher – Präsidentin der Plattform.