Die Südtiroler Plattform für Alleinerziehende EO denkt laut nach: seit 2019 gibt es kein Pendlergeld für OberschülerInnen mehr (300 Euro jährlich). Mit dem Schuljahr 2021/22 werden auch die Bücherschecks nicht mehr ausbezahlt (150 Euro jährlich). Einem alleinerziehenden Elternteil fehlen somit pro Schulkind 450 Euro aus der öffentlichen Hand. 

31. August 2021 – In allen Schulstufen wurde auf Onlineunterricht umgestellt, die Familien sahen sich gezwungen, angemessene technische Mittel und Verbrauchsmaterial (Computer, Software, Drucker, Farbpatronen, stabiles Internet, Druckerpapier) anzuschaffen. Im günstigsten Fall konnte die Ausstattung mit 1000 Euro angekauft werden, laufende Kosten nicht mitgerechnet. Die zum Verleih angebotenen Computer und Tablets reichten bei Weitem nicht aus. Somit fehlen 1450 Euro in der Familienkassa.

Viele Alleinerziehende mussten Verdienstausfälle in Kauf nehmen (Eltern-Sonderurlaub mit halbem Gehalt, Quarantäne der Kinder, Lohnausgleich, fehlende Unterhaltszahlungen, fehlender Beitrag zu den außerordentlichen Spesen), wobei sie schon unter normalen Umständen mit einem Teilzeiteinkommen auskommen müssen. Als ob das nicht reichen würde, soll nun auch noch der beanspruchte Quarantänekrankenstand zurückbezahlt werden. Laut Staat. Dazu kommen die zu bezahlenden Coronatests. Laut Land Südtirol. Die Nasenflügel-Schnelltests, welche an den Schulen durchgeführt werden, sind nur mehr innerhalb der Schule gültig.

Ein weiterer finanzieller Rückschlag für Alleinerziehende wird das neue staatliche Kindergeld sein, welches ab 2022 eingeführt werden soll. Die gesetzliche Aufteilung des Beitrages auf beide Eltern bei gemeinsamen Sorgerecht führt dazu, dass der vorwiegend betreuende Elternteil einen finanziellen Nachteil erleidet.

Den Einelternfamilien wird es nicht leicht gemacht. Das einzige Sichere ist zurzeit, dass es chaotisch ist. Dass ein tiefes Loch im Geldbeutel ist. Widersprüchliche Regelungen an Schulen und Kindergärten. Diese Unsicherheit wirkt sich negativ auf die Arbeitssuche  bzw. Erhaltung des Arbeitsplatzes aus. Die Chancen auf dem Wohnungsmarkt sind ohne fixes Einkommen gleich Null.

Keine Aussicht auf ein Ende der ganzen Situation.
Mit Sorge beobachten wir die Gespaltenheit der Familien und den Unmut der Gesellschaft. Was sollen wir tun? Welche Antwort geben wir unseren Kindern, wenn sie vom sozialen Leben systematisch ausgeschlossen werden müssen, weil das Geld nicht reicht? Wenn Sport, Musik und Freizeitgestaltung nicht mehr leistbar sind?  Wenn gesunde Nahrung zum Luxus wird? Wenn zeitnahe Gesundheitsbetreuung aus Kostengründen ausfällt? Wenn die Politik den Rotstift bei den Kleinen ansetzt und sich fast gleichzeitig die Gehälter erhöht?

Der Maßstab muss vor allem in Krisensituationen bei den schwächsten Gliedern der Gesellschaft angesetzt werden, und das sind die Familien und unsere Kinder.